| Südkurier online vom 25. Mai 2010 | |||
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Das Bodenseefestival endete mit zwei Konzerten des Wiener Kammerorchesters unter Stefan Vladar. Eine Bilanz
Mit einem kleinen Feuerwerk hochkarätiger Veranstaltungen ging das Bodenseefestival kurz vor Pfingsten zu Ende. In Überlingen setzte Artist in Residence Stefan Vladar mit seinem Wiener Kammerorchester zum Schumann-Countdown an, während zeitgleich die Academy of St. Martin in the Fields mit Murray Perahia in Friedrichshafen spielte. Etwas weiter weg, in St. Gallen, war das populäre Raschèr Saxophone Quartet zu Gange. Anderntags dann vollendete Vladar, wieder mit dem Wiener Kammerorchester, den Zyklus der Schumann-Symphonien in Weingarten, während in Friedrichshafen zeitgleich das Kronos Quartet spielte (Besprechung auf der Seite Kultur in der Region). So viel musikalische Kompetenz auf einmal am See – das ist erfreulich. Und doch stellt sich die bange Frage: machen sich die Veranstalter damit nicht selbst Konkurrenz? Auf die konkreten Zahlen zum Bodenseefestival wird man noch ein wenig warten müssen. Die komplizierte, vielteilige Organisationsstruktur führt dazu, dass eine Auswertung immer erst einige Wochen nach Ablauf des Festivals vorliegt. Dem Eindruck nach allerdings dürfte es im Vergleich zum Vorjahr keine einschneidenden Veränderungen gegeben haben. Dort kamen 17 321 Besucher zu den rund 80 Veranstaltungen des Bodenseefestivals – was einer Auslastung von rund 77 Prozent entspricht. Jetzt schon festhalten kann man allerdings, dass sich das Konzept des Artist in Residence, der in Konzerten rund um den See zu hören ist, auch im sechsten Jahr bewährt hat. Die acht Konzerte, die Stefan Vladar als Dirigent oder als Pianist (teilweise auch in der Doppelrolle) gab, waren alle gut besucht, teils sogar ausverkauft. Dennoch gibt es Unterschiede: Während das Konzert mit dem Wiener Kammerorchester unter Vladar im Weingartener Kultur- und Kongresszentrum rasch ausverkauft war, bangte man in Überlingen bis zuletzt, ob man die Franziskanerkirche voll bekommen würde. Letztlich war sie voll. Doch vielleicht hing die verzögerte Akzeptanz auch mit dem Raum zusammen: ein Orchesterkonzert in der Kirche ist, sofern nicht geistliche Werke aufgeführt werden, eben doch ziemlich ungewohnt. In Weingarten hingegen verfügt man über einen Konzertraum mit rund 900 Plätzen. Stefan Vladar und sein Wiener Kammerorchester allerdings ließen sich von den unterschiedlichen räumlichen Gegebenheiten (hallige Kirchenakustik im ersten, recht trockene Kongresshaus-Akustik im zweiten Fall) nicht beeindrucken. Ihr Spiel wirkte am ersten Abend in Überlingen vielleicht sogar noch eine Spur engagierter und gelöster als am zweiten Abend – was aber auch kein Wunder ist angesichts der hymnischen „Rheinischen Symphonie“ (Schumanns Dritte), die dort auf dem Programm stand (in Weingarten gab es dann die „Frühlingssymphonie“). Gerade der Kopfsatz gelang Vladar mit seinem Orchester wie in einem Zustand hochfliegender Euphorie. Schumann schrieb das Werk ja in ungewöhnlich kurzer Zeit, nachdem er eine Stelle als Musikdirektor in Düsseldorf angetreten hatte. Und dieser Schaffensrausch teilte sich auch in Vladars Interpretation mit. Aber schon in Beethovens 3. Klavierkonzert war diese Energie da – wie sich überhaupt die Konzerte mit dem Artist in Residence durch einen erhöhten Energielevel auszeichneten. In den Klavierkonzerten Nr. 3 und Nr. 5, die Vladar in Überlingen bzw. in Weingarten spielte, übernahm er selbst den Solopart und dirigierte das Orchester vom Klavier aus. Und es fehlte nichts. Statt dessen konnte man beobachten, wie der Pianist Vladar die ungeheure Energie, die er am Klavier entwickelt, in seinen Spielpausen auf das Orchester übertrug – so wie ein Ball, der eben nicht einfach aufhört zu fliegen, wenn er über eine Grenzlinie geschossen wird. Bisher gehörte Stefan Vladar sicherlich nicht zur hochpopulären Interpretenprominenz. Die Leitung des Wiener Kammerorchesters hat er von Heinrich Schiff übernommen, der seinerseits vor zwei Jahren Artist in Residence des Bodenseefestivals war. Vielleicht kam so die Verbindung zu Vladar zustande. Wie auch immer: es war eine glückliche Wahl – sein Name wird am Bodensee in guter Erinnerung bleiben. Nächstes Jahr ist die Klarinettistin Sharon Kam Artist in Residence, die bereits in diesem Jahr in einem Kammerkonzert zu hören war. Überhaupt darf man gespannt sein auf die kommenden Jahrgänge, wenn Florian Riem in der Nachfolge von Henner Faehndrich gemeinsam mit Winfried Neumann die Geschäfte des Bodenseefestivals führt. Der Intendant der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz möchte erklärtermaßen die Position des eigenen Orchesters im Festival stärken. Ob das die Akzeptanz des Bodenseefestivals bei den Konstanzern auf Dauer steigern wird? Das 23. Internationale Bodenseefestival 2011 findet vom 13. Mai bis 13. Juni 2011 unter dem Thema „Impuls Wien“ statt. Artist in Residence ist die Klarinettistin Sharon Kam. Zum Konzert : Bodensee-Festival II - Weingarten |
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