Wiener KammerOrchester  -  We C7; music
Wiener
KammerOrchester
Symphonie Es-Dur Hob. I/43 Merkur

Joseph Haydn
Dauer: 25

Musikalischer „Sturm und Drang“

Haydns heute als 43. gezählte Sinfonie in Es-Dur entstand in der Zeit zwischen 1770 und 1771 zusammen mit drei weiteren Werken der Gattung. Alle vier dokumentieren seinen Hang, Sinfonien von unverwechselbarer Formgestalt zu schaffen. Sie stehen darin allen Klischeevorstellungen entgegen, die im Allgemeinen mit Auftragskompositionen eines ergebenen Fürstendieners des 18. Jahrhunderts verbunden werden. Ihre neue Tonsprache hat wiederholt dazu veranlasst, sie in eine Parallele zum literarischen „Sturm und Drang“ zu setzen.
Im Kopfsatz ist das Hauptthema allgegenwärtig. Sonatensatzformen sind erst seit Beethoven über zwei gegensätzliche Themen komponiert. Für Haydn war das Hauptthema immer das Wichtigste, während die anderen als Nebenthemen ihm im wahrsten Sinne des Wortes nur zur Seite treten. Der zweite Satz dagegen ist als Sonatensatzform mit zwei Themen komponiert, die annähernd gleichberechtigt sind. Ihm folgt ein Menuett, das durch stampfende Tonrepetitionen charakterisiert ist und dadurch dem österreichisch-derben Typ nahesteht, wogegen Mozart eher das elegante Menuett im französischen Stil komponiert hat. Der Schlusssatz ist, typisch für Haydn, voller Witz. So ist das Hauptthema demonstrativ unregelmäßig komponiert und wird häufig unterbrochen. Beschlossen wird die Sinfonie durch eine lange Coda, in der Haydn das Hauptthema immer wieder mit langen Notenwerten abbremst und neu ansetzen lässt, bevor eine Stretta das Werk beendet. Was die Namensgeber dazu bewogen hat, dieser Sinfonie den Titel „Merkur“ zu geben, lässt sich mehr nicht klären. Möglicherweise verdankt sie diesen Namen einer Verwendung als Zwischenaktmusik für eine der zahlreichen Theateraufführungen in Eisenstadt.

Dr. Sebastian Urmoneit
Verwendung mit freundlicher Genehmigung durch die Tonicale München.


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