Komponist / Komponistin
Antonín Dvořák
- 8. September 1841 – 1. Mai 1904
Eduard Hanslick schrieb über Antonín Dvořák: «Unter den Stipendiengesuchen, die alljährlich partiturenbeschwert beim Ministerium einlaufen, pflegen die meisten von Komponisten herzurühren, welche von den drei gesetzlichen Erfordernissen, Jugend, Mittellosigkeit und Talent, nur die beiden ersten besitzen und auf das dritte verzichten. Da war es uns dann eine gar angenehme Überraschung, als eines Tages ein Prager Bittsteller, Antonín Dvořák, Proben eines intensiven, wenngleich noch unausgegorenen Kompositionstalents einsendete.»
Hanslick saß gemeinsam mit Johann Ritter von Herbeck und Johannes Brahms in der 1863 eingerichteten Kommission des Wiener Kultusministeriums, die Stipendien für tschechische Nachwuchskünstler vergab. Seine Einschätzung bezog sich auf Dvořáks Es Dur Symphonie, die 1873 entstanden war. Dvořák reichte das Werk 1875 zur Begutachtung ein, im selben Zeitraum, in dem ihm seine Kantate «Hymnus» den lange ersehnten Durchbruch brachte. Er erhielt einen Preis von 400 Gulden, das bis dahin höchste Honorar, das ihm zuerkannt worden war.
Nachdem seine Existenz damit zumindest vorläufig gesichert war, gewann Dvořáks Schaffen spürbar an Fahrt. Die Mitte der 1870er Jahre war für ihn eine Phase des Suchens und des Findens. Nach einer Zeit, in der Wagner für ihn das einzige Vorbild gewesen war, wandte er sich wieder den klassischen Modellen Beethovens, Schuberts und Schumanns zu. Das war weniger ein Rückschritt als eine Rückkehr zu sich selbst. Wahrscheinlich wirkte auch Bedřich Smetana als Impuls. Dessen eher mozartisch geprägte komische Oper «Zwei Witwen», 1874 uraufgeführt, dürfte Dvořák darin bestärkt haben, dass eine charakteristische tschechische Musik weder durch die Nachahmung des Wagnerschen Musikdramas noch durch bloße Potpourris tschechischer Volkslieder entsteht, sondern durch eigenständige schöpferische Erfindung.