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Johannes Brahms

Streichsextett Nr. 1 B-Dur

Op. 18

Fassung für Streichorchester (Bearbeitung Günther Pichler)

Komponiert: 1859

Gattung
Romantik
Katalog
Op.
  1. Allegro ma non troppo
  2. Tema con varizioni. Andante, ma moderato
  3. Scherzo. Allegro molto
  4. Rondo. Poco allegretto e grazioso

Als Johannes Brahms an seinem Streichsextett op. 18 zu arbeiten begann, war er 26 Jahre alt. Sechs Jahre zuvor hatte er den ungarischen Geiger Eduard Hoffmann, genannt Remenyi, kennengelernt

und mit ihm eine Konzertreise in die niedersächsische Provinz unternommen. In Hannover kam er mit dem bedeutenden Geiger Joseph Joachim in Kontakt, der ihn an Clara und Robert Schumann in Düsseldorf empfahl. Schumann erkannte die außergewöhnliche Begabung des jungen Künstlers, schrieb in der „Neuen Zeitschrift für Musik“ den berühmt gewordenen Aufsatz «Neue Bahnen», indem er Brahms als den feierte, „der da kommen musste“, und setzte sich auch dafür ein, dass der Verlag Breitkopf & Härtel Brahms' Kompositionen veröffentlichte. 

Die Entstehung des Streichsextetts op. 18. zeigt, dass Brahms neue Kompositionen gerne Freunden zur Beurteilung vorgelegt hat. Er begann mit der Komposition 1859 und schickte noch im Dezember dieses Jahres das Manuskript des ersten Satzes an Clara Schumann; auch Julius Otto Grimm erhielt im Dezember Teile dieses Werks. In seinem Antwortbrief erwähnte dieser die ersten beiden Sätze, im Frühjahr 1860 auch noch das Scherzo. Im September 1860 sandte Brahms das vollständige Werk an Joachim, dem das Sextett (bis auf den Schlusssatz) ebenfalls bereits bekannt war. Auf den Rat Joachims hin habe Brahms den Beginn mit dem Cello vorgesehen. 

 

Ein Klavierarrangement des zweiten Satzes, schenkte er Clara Schumann zum Geburtstag. Die öffentliche Uraufführung fand am 20. Oktober 1860 in Hannover statt (Joachim spielte mit fünf Musikerkollegen das Werk aus dem Manuskript), im Jänner 1862 erschien das Sextett erstmals im Druck. Der erste Satz (B-Dur, 3/4) ist als Sonatensatz konzipiert. 

Im ersten Teil, der Exposition, stellt Brahms zwei Themen vor, die beide zunächst vom ersten Cello vorgetragen werden. Zwischen diese Themen hat Brahms einen Ländler in A-Dur(!) eingeschoben, wodurch das zweite Thema noch deutlicher hervortritt. 

Der zweite Teil, die Durchführung, bietet zwei Steigerungen, wobei am Höhepunkt der zweiten Steigerung der dritte Teil, die Reprise (in der die Themen der Exposition wiederkehren), einsetzt. Mit dem Zitat der ersten vier Takte des Hauptthemas beginnt die Überleitung zum letzten Abschnitt, der Coda, und mit der Verarbeitung eines weiteren Motivs aus der Exposition, endet der Satz. 

 

Der zweite Satz (d-moll, 2/4) besteht aus einem zweiteiligen Thema (das wiederholt wird), sechs Variationen und einer Coda: Die erste, zweite, dritte und sechste Variation behalten die Grundtonart bei, die vierte und fünfte Variation sowie die Coda stehen in D Dur. In den ersten drei Variationen wird das Thema figuriert und rhythmisch immer mehr belebt, die vierte und besonders die fünfte Variation sind freier gestaltet, die sechste zitiert erneut das Thema und mündet (anstelle der Wiederholung der beiden Teile) in die Coda, die nach D-Dur aufhellt. 

 

Dem Andante folgt ein beschwingtes Scherzo (F-Dur, 3/4), dessen kompakt-vollstimmiger Satz dem Stück orchestralen Charakter verleiht. Das Scherzo endet mit einer Coda, an deren Beginn Brahms notengetreu auf das Kopfmotiv des Trios zurückgreift. Den Schlusssatz (B-Dur, 2/4) hat der Komponist in die Form eines Rondos (mit der Gliederung A-B-A-C-A-B-A) gegossen. Der mittlere Abschnitt (C) hat den Charakter einer Durchführung, deren motivisches Material schon in den ersten beiden Formteilen (A und B) vorbereitet ist. Die Wiederkehr der ersten drei Teile (A-B-A) trägt den Stempel einer Art Reprise, die sich durch die Verkürzung der Überleitungen und deutliche Veränderungen der Themen auszeichnet. Im letzten A-Teil hat Brahms den ersten Abschnitt des Themas auf zwei Instrumentengruppen (erste und zweite Geige, erste Viola versus zweite Viola, erstes und zweites Cello) aufgeteilt. Eine Coda, deren motivisches Material (in verkleinerter Form) dem Mittelteil des ersten Themas entnommen ist, beschließt das Werk. (Christian Böhm)

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