Little Suite
Op. 1Komponiert: 1988
- Gattung
- Romantik
- Stil
- Suite
- Katalog
- Op.
- 1. Präludium
- 2. Intermezzo
- 3. Finale
Anders als der Titel "Suite" vermuten lässt (Nielsen selbst kümmerte sich nicht um die Verkleinerungsform), ist dies ein recht kurzes Werk. Ausser was das Präludium betrifft, passt sich das Werk nicht der traditionellen barocken Struktur an, die üblicherweise aus stilisierten Tanzsätzen besteht; ein zeitgenössisches Gegenbeispiel findet man in Edvard Griegs (1843-1907) Suite aus Holbergs Zeit (1885), die eine direkte Nachbildung der alten Form ist.
Gleichwohl sind die drei Sätze bezaubernd und elegant in ihrer Knappheit. Als das Werk eines 23 Jahre alten Komponistenneulings zeigt die Komposition einen frühreifen Fluss aller Standardtechniken, die zur damaligen Zeit beim Schreiben für Streicher gebräuchlich waren, darunter Pizzicato, Tremolo, reichlichen, aber besonnenen Gebrauch von divisi und klugen Kontrapunkt.Tatsächlich markiert diese frühe Leistung einen wichtigen Wendepunkt in Nielsens Komponistenkarriere, nach dem er sich mehr dem Schreiben von Werken grösseren Formats zuwandte, angefangen mit der Symphonischen Rhapsodie (FS 7) und gipfelnd in seinen großen Symphonien. Nielsens Ouevre enthält nur zwei weitere Werke für Streichorchester, das Andante tranquillo e scherzo, Fs 310 (ungefähr 1887), und das elegischeed en ung kunstners bare (An der Bahre eines jungen Künstlers), FS 58 (1910), obwohl dies ein dem Medium nur als Ableitungen erhältlich sind, waren sie doch ursprünglich für Streichquartett - bzw. Quintett konzipiert. So ist die Suite die einzige echte Kreation für diese Besetzung.
Das Präludium ist der kürzeste und dramatischste der drei Sätze. Das Cello trägt als erstes Instrument die Melodie vor, während die erste Violine ihren Kommentar abgibt, und eine pulsierende Figur, eingeführt durch die zweite Geige, Bratsche und Bass eine permanente Kulisse für fast den gesamten Satz liefert. Als die ersten Violinen die tragende Rolle übernehmen, beginnt die ursprünglich gesetzte Harmonie, die auf einem Tonika - Pedal beruht, nach abwärts zu modulieren. Ein einziger Höhepunkt wird erreicht, erkennbar an der geschickten Verwendung eines invertierten Neapolitanischen Akkords in B. Dies kennzeichnet eine deutliche Abkehr von der ursprünglichen Tonart a - Moll, während zur gleichen Zeit eine baldige Rückkehr angekündigt wird. Eine Solobratsche wiederholt das Anfangsthema gegen ein hauchzartes Tremolo der Violinen.
Das Juwel der Suite ist das Intermezzo, in allem ein Walzer ausser in seiner Bezeichnung. Man fragt sich, ob die Walzer aus den Streicherserenaden von Antonín Dvořák (1841-1904) und Peter Tschaikowsky (1840 - 1893), komponiert 1875 und 1880, Inspirationsquellen für den beeindruckbaren Nielsen waren. Lässt man diese Mutmassungen beiseite, beschwört die Tonsprache dieses Satzes ohne Zweifel das Wiener Genre. Einen besonders koketten Geschmack liefert der Einsatz der Dämpfer während des gesamten Satzes und verleiht ihm einen Hauch transparenten Charmes. Es verwundert nicht, dass dieses Intermezzo als Zugabe bei den ersten zwei Aufführungen wiederholt wurde.
Als einen Teil seiner Revision fügte Nielsen dem Finale die langsame Einleitung hinzu. Indem er das Thema aus dem ersten Satz zitiert, schafft er eine zyklische Rückbesinnung, die dem Werk eine noch größere Stringenz verleiht. Später im allegro con brio dient die Aufnahme des gleichen Themas als Wegweiser in diesem grundlegenden Durchführungsabschnitt, der sich ansonsten durch eine weitschweifige, mäandernde harmonische Sprache auszeichnet.
Insgesamt erinnert die Ausgelassenheit dieses Finale, und auch in mancher Hinsicht die des gesamten Stückes, an die heiteren Symphonien des jungen Felix Mendelssohn (1809 - 1847).
Obwohl die Kleine Suite nicht zu den häufiger aufgeführten Werken des Komponisten zählt, dachten er und seine Mitarbeiter hoch genug von dem Werk, dass sie es in das Programm der Gala anlässlich Nielsens sechzigstem Geburtstag am. 9. Juni 1925 aufnahmen.
Quelle: repertoire-explorer.musikmph.de