Habanera aus der Oper "Carmen"
Komponiert: 1875
Uraufgeführt 03.03.1875 in Paris
Die Habanera ist Carmens erste große Selbstvorstellung, und sie legt sofort fest, wer hier die Regeln bestimmt. Bizet nimmt einen sinnlichen Tanzrhythmus, ruhig schwingend und zugleich unerbittlich gleichmäßig, und setzt darüber eine Melodie, die wie beiläufig wirkt, aber mit jeder Wiederholung mehr Wirkung entfaltet. Carmen singt nicht, um zu gefallen, sie singt, um Distanz und Anziehung zugleich zu erzeugen. Die Musik ist verführerisch, aber nie sentimental, sie bleibt kühl genug, um gefährlich zu wirken.
Gerade die ständige Wiederkehr des Themas hat etwas Hypnotisches. Während das Orchester den Puls hält, verändert sich die Farbe, einmal weicher, einmal schärfer, und damit auch der Ton der Szene. Carmen spielt, reizt, warnt, und macht unmissverständlich klar, dass Liebe für sie Freiheit bedeutet, und dass sie sich nicht festhalten lässt. So wird die Habanera zum Schlüssel für die ganze Oper, sie ist nicht nur ein Hit, sie ist Charakter in Musik, mit einer Mischung aus Eleganz, Provokation, und jener fatalen Konsequenz, die Carmens Schicksal von Anfang an mitschwingen lässt.
Die Liebe ist ein wilder Vogel
den kein Mensch jemals zähmen kann,
ganz umsonst wirst du ihn rufen,
er löst sich stets aus deinem Bann.
Kein Schmeicheln hilft und keine Wut,
der Eine spricht, der Andere schweigt:
es ist der Andere den ich bevorzuge,
er sagte nichts, doch gefällt er mir.
Liebe! Liebe! Liebe! Liebe!