Zum Inhalt springen

Zurück zum Konzert

Peteris Vasks

"Fernes Licht"

Konzert für Violine und Streichorchester

Komponiert: 1997

Die schiere Klangschönheit eine der hervorstechendsten Eigenschaften in Vasks’ Musik ist. Sein Violinkonzert Distant Light (Fernes Licht; Tala gaisma in Vasks’ lettischer Muttersprache) wurde 1996–1997 auf Anfrage von Gidon Kremer komponiert und verfolgt wie viele andere Werke von Vasks auch das Bestreben, mit Musik das Leiden zu mildern und die Trauer zu besänftigen. Als Vasks Kremers Buch Kindheitssplitter las, bemerkte er, dass sie beide in die gleiche Schule gegangen waren. „[A]ber wir haben uns erst jetzt in Musik richtig getroffen. Fernes Licht ist Nostalgie mit einem Anflug von Tragik. Kindheitserinnerungen, aber auch funkelnde Sterne Millionen von Lichtjahren entfernt.“

Der Anfang von Fernes Licht, das sich in einem einzigen musikalischen Bogen entfaltet, verankert Vasks stilistisch genau dort, wo auch seine geographischen Wurzeln liegen, nämlich zwischen Pärt und Lutoslawski. Die Violinstimme öffnet sich langsam über einem sanften Bett aus zunehmend selbstsicherem Streicherton, teils diatonisch, teils Cluster. Die Streicher verschwinden hinter der ersten der drei Kadenzen. Dann beginnen die Kontrabässe eine wunderschöne Klage, während der Solist ekstatisch darüber schwebt. Eine muntere, volkstümliche, tänzerische Episode leitet einen Stimmungs- und Tempowechsel ein, wird aber abrupt von der zweiten Kadenz unterbrochen – der selber wieder unvermittelt Einhalt geboten wird, wenn die Kontrabässe mit einer weiteren ergreifenden Elegie beginnen. Die dritte Kadenz mit einigen absichtlich hässlichen Klängen entfesselt etwas, was ein Kommentator einmal als ein „aleatorisches Chaos“ beschrieben hat. Daraufhin bringt ein ziemlich unverfrorener Walzer das Geschehen wieder unter Kontrolle. Eine ausgedehnte Koda zieht noch einmal Ausschnitte aus dem vorangegangenen Material heran und bringt die Musik zu einem sanften Abschluss.

Serien & Zyklen