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Jacques Offenbach

Can-Can aus der Operette "Orpheus in der Unterwelt"

Galop infernal

Komponiert: 1874

Entstehung, 1858, erweitert überarbeitet 1874


Der Can Can aus Orphée aux enfers ist Musiktheater in konzentrierter Form. Er entsteht nicht als Einlage um ihrer selbst willen, sondern als dramaturgischer Befreiungsschlag. Nachdem zuvor ein steifer Menuett Versuch die Gesellschaft disziplinieren soll, kippt die Szene plötzlich ins Gegenteil. Mit dem Galop infernal bricht die Ordnung auseinander, das Tempo zieht an, und die ganze Bühne wird zum kollektiven Ausbruch, grell, überdreht, und zugleich präzise kalkuliert.

Offenbach arbeitet dabei mit maximaler Klarheit. Kurze, kantige Motive, scharfe Akzente, und eine Motorik, die wie von selbst weiterläuft. Alles wirkt spontan und ausgelassen, ist aber auf Wirkung gebaut. Der Rhythmus zwingt nach vorn, die Wiederholungen treiben die Ekstase, und die Orchesterfarben setzen funkelnde Signale, als würde die Musik lachen und gleichzeitig anfeuern. So entsteht jene Mischung aus Übermut und satirischer Schärfe, die Offenbachs Stil so unverwechselbar macht.

Dass diese Nummer später zur berühmtesten Can Can Melodie der Welt wurde, hat mit genau dieser Energie zu tun. Sie ist nicht nur schnell, sie ist unverschämt. Sie karikiert das Anständige, sie feiert das Körperliche, und sie verwandelt eine Bühnenparty der Götter in ein Sinnbild des Pariser Vergnügens. Gerade deshalb funktioniert der Galop bis heute, als Zugabe, als Orchesterhit, und als ikonischer Moment, in dem Musiktheater plötzlich zur reinen Bewegung wird.