Divertimento in B-flat major
KV 137"Salzburger Sinfonien"
- Category
- Klassik
- Style
- Divertimento
- Catalog
- KV
- 1. Allegro
- 2. Andante
- 3. Presto
Mozarts Divertimento KV 138 wurde mit zwei ähnlichen Kompositionen in den ersten Monaten des Jahres 1772 geschrieben, zu einer Zeit, als Salzburgs ,,Ancien Regime", das mit dem Erzbischof Sigismund von Schrattenbach dahingegangen war, durch die Reformwilligkeit des neuen Erzbischofs Hieronymus Graf von Colloredo abgelöst wurde. Freilich sind die italienischen Züge in der Komposition des Siebzehnjährigen weniger auf diesen Umschwung zurückzuführen: zwischen zwei italienischen
Reisen komponierte er quasi „auf Vorrat", um entsprechende Werke im Reisegepäck zu haben. Auch der eher orchestrale Stil dieser Divertimenti weist auf dieses Vorhaben hin. Sie werden in der Regel heute als Kammerorchesterwerke betrachtet und nicht als Streichquartette. Gerade auf dem letzteren Gebiet hatte der junge Mozart schon Werke geschaffen,die ganz andere Merkmale tragen.
Bearbeitetes Vorwort von Adolf Hoffmann zur ersten Auflage, 1953
Wenn man das Gesamtwerk Wolfgang Amadeus Mozarts betrachtet, so will es unglaublich erscheinen, dass sein kurzes Leben in nicht vorstellbarer Genialität eine derartige Fülle hervorbrachte. Bedenkt man jedoch, dass Mozart bereits in frühester Jugend, bevor er Lesen und Schreiben lernte, „seine Töne zu setzen" verstand, und dass sein Schaffensstrom nie unterbrochen worden ist, so mag durch den frühen Beginn seine Leistungsfülle ein wenig erklärbarer erscheinen.
Das Köchel-Verzeichnis nennt unter Nr. 1 bis 5 Klavierstücke, meist Menuette; dann beginnt eine reiche Folge von Violinsonaten. Mit KV16 wird 1764/65 das sinfonische Schaffen eingeleitet, worauf Arien, Variationen, Konzerte, Kirchenmusik, Serenaden, Sonaten u.a.m. folgen. 1770 schreibt Mozart vierzehnjährig sein erstes Streichquartett. Auch die ersten Bühnenwerke sind bis dahin entstanden.
In Salzburg, auf Reisen im In- und Ausland, wo immer er sich aufhielt, schuf Mozart ununterbrochen, allen äußeren Hemmungen durch die weise leitende Hand seines Vaters enthoben. Das Jahr 1772 sah beide in Italien, zunächst in Mailand. Hier spielte Mozart mit dem Mailänder Orchester eigene Kompositionen, u.a. die sinfonischen Werke KV 136-138, die er wahrscheinlich speziell für dieses Orchester geschrieben hatte. In der Gesamtausgabe rangieren sie - vermutlich nur wegen der Vierstimmigkeit für Streicher - als Divertimenti unter den Streichquartetten und sind mehr oder weniger vergessen, ähnlich und sehr zu Unrecht wie die frühen Streichquartette. Mozart schuf die Werke KV 136-138 im Jahr 1772, also mit 16 Jahren. Sie atmen, ihrer Bestimmung entsprechend, italienischen Geist, tragen aber durchaus den Stempel es jungen Mozart. Da sie für Orchester bestimmt und somit chorisch zu besetzen sind, fehlen ihnen quartettische Züge und Linienführung.
Die vorliegende Ausgabe dient dazu, diese Werke aus der Nähe der Quartette fortzurücken und sie dem sinfonischen Schaffen einzugliedern, um sie vor allem für Schulorchester, Collegia musica und Spielkreise, die über keine Bläser verfügen, bereitzustellen.
Artikulation und dynamische Bezeichnungen sind in geringem Umfang ergänzt, wenige fehlerhafte Aufzeichnungen berichtigt. Nach der Gesamtausgabe ist in der 1. Sinfonie im 3. Takt der ersten und zweiten Violine und an ähnlichen Stellen der gesamte Takt auf nur einem Bogenstrich zu spielen. Der Triller ist immer mit Nachschlag zu verstehen. Die Werke Mozarts für Streichorchester mögen hiermit eine Bereicherung erfahren, deren Lohn bereits beim ersten Durchspielen deutlich wird.