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Divertimento D-Dur, KV 136

Wolfgang Amadeus Mozart
1772
Dauer: 13'
Allegro
Andante
Presto

Der Erfolg von grösser dimensionierten Werken wie Opern und Symphonien verdeckt bei vielen Komponisten die Bedeutung kleinerer Werke. Auch das Schaffen Mozarts bildet diesbezüglich keine Ausnahme. Seine späten Symphonien gehören zum musikalischen Allgemeingut, während seine Serenaden und Divertimenti oftmals leichthin als Unterhaltungsmusik abgetan werden und ein Schattendasein fristen.

Mozart verbrachte bekanntlich einen Gutteil seines Lebens auf Reisen und rund zehn Jahre im Ausland. Seine erste Italien-Reise fand von 1769 bis 1771 statt und führte ihn bis nach Neapel. Die zweite, 1771/72, führte ihn gemeinsam mit seinem Vater nach Mailand. Mozarts Reisen quer durch Europa waren dabei nicht nur Konzerttourneen eines Wunderkinds – welche es zur damaligen Zeit übrigens zahlreicher gab, als man meinen mochte. Reisen bildet, und so sind Mozarts Reisen durchaus auch als Studienreisen eines jungen Komponisten zu werten. Die neuen musikalischen Eindrücke, das jeweilige Lokalkolorit, neue Stile und Gattungen fanden rasch Eingang in seine Werke – und eben nicht nur in seine Opern, sondern auch in seine Instrumentalmusik. Dementsprechend lassen auch die drei Divertimenti K 125a–c italienische Einflüsse deutlich erkennen. Sie machen ihrem unbeschwerten Namen alle Ehre und kombinieren den italienischen Stil mit Einflüssen von Joseph und Michael Haydn, wie man beispielsweise in den durchführungsartigen Episoden unschwer erkennen kann. Das Divertimento in D-Dur K 125a beginnt jedoch ungewöhnlich: Ein 13-taktiges Thema steht am Beginn. Es folgt eine rhythmisch verkürzte Dreiklangsbrechung, nach der der Leitton in rascher Folge umspielt wird, worauf der Anfangsteil diminuiert wiederholt und weitergeführt wird. Zunächst bestimmt die erste Geige das melodische Moment, doch im weiteren Verlauf tritt sie in ein Zwiegespräch mit der zweiten Geige. Der Seitensatz ist auf melodischer Ebene von weiten Sprüngen sowie von abwärtsführend Skalensequenzen geprägt. Die Durchführung ist molldominiert und steht ganz im Zeichen vielfaltiger Modulationen.

Im Sinne der motivisch-thematischen Einheit stutzen sich der zweite und dritte Satz immer wieder auf Bestandteile des Eröffnungssatzes. Das Andante ist sehr kantabel und besitzt zärtlichen Charakter, und das Presto zeigt u. a. mit seiner kontrapunktischen Manier zu Beginn der Durchführung auf, dass der junge Komponist auch in der ≫gelehrten≪ Schreibweise durchaus mehr als bloß ≫geübt ≪ war. (Barbara Alhuter)

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