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Konzert für Klavier und Orchester Nr. 12 A-Dur, KV 414 (385p)

Wolfgang Amadeus Mozart
1782
Dauer: 25'
Allegro
Andante
Rondeau

Hatte sich Mozart zu Beginn seiner Wiener Jahre noch mit Wiederaufführungen von älteren, in Salzburg entstandenen Konzerten begnügt, so entschloss er sich spätestens im Herbst 1782, die Komposition von drei neuen Werken (K 385p, 387a und 387b) in Angriff zu nehmen. Offenbar dachte er auch von vornherein an deren Herausgabe, da er erkannt haben dürfte, dass an der für Wien relativ neuen Gattung großes Interesse bestand. Die Absicht der Veröffentlichung bestimmte denn auch die Konzeption der Konzerte bis hin zu ihrer äußeren Anlage. In einem Brief an seinen Vater am 28. Dezember 1782
 charakterisierte er die damals zum Teil noch nicht einmal ausgeführten Werke: „Die Concerten sind eben das Mittelding zwischen zu schwer und zu leicht – sind sehr brillant – angenehm in die Ohren – natürlich, ohne in das Leere zu fallen – hie und da – können auch Kenner allein Satisfaktion erhalten – doch so – daß die Nichtkenner damit zufrieden sein müssen, ohne zu wissen warum.“

Die Konzerte sollten zunächst in bescheidenem Rahmen, als saubere, handgeschriebene Kopien vertrieben werden. Dass Werke eines „Neulings“ – und Mozart war in Wien damals noch wenig bekannt – in Abschriften verbreitet wurden, war kein Ausnahmefall: Kopisten kosteten weniger als das Stechen.Am 15. Jänner 1783 brachte die Wiener Zeitung daher folgende Anzeige: „Herr Kapellmeister Mozart macht hiemit dem hochansehnlichen Publikum die Herausgabe drei neuer erst verfertigter Klavierkonzerte bekannt.

Diese 3 Konzerte, welche man sowohl bei großem Orchester mit blasenden Instrumenten, als auch a quattro, nämlich mit 2 Violinen, 1 Viola und Violoncello aufführen kann […] werden nur denjenigen (schön kopiert) zu Teile werden, die sich darauf subskribiert haben.“ Der Preis betrug vier Dukaten, was nicht eben wenig war. Mozart muss mit den Konzerten zunächst auf unerwartete

Absatzschwierigkeiten gestoßen sein, denn er beklagte am 22. Jänner 1783, dass die „nun schon zum dritten Male im Wiener Diarium“ stehende Anzeige offensichtlich kein Echo gefunden hatte. Er steckte in finanziellen Schwierigkeiten, konnte Darlehen nicht zurückzahlen, und bot darum Ende April die Konzerte – vergeblich – dem Pariser Verleger Jean Georges Sieber an. Die Drucklegung übernahm schließlich der Wiener Verlag Artaria, der sich aber mit dem einzigen zu Mozarts Lebzeiten erschienenen Klavierkonzerte-Druck bis Anfang 1785 Zeit ließ.

Der Absatz dieser Stimmenausgabe muss dann jedoch außergewöhnlich erfolgreich gewesen sein, denn es wurde nicht nur eine Reihe von Nachdrucken nötig, sondern darüber hinaus der Neustich zahlreicher Platten, die infolge allzu starker Beanspruchung gebrochen waren (von Stichplatten konnten damals normalerweise etwa 400 Abzüge gemacht werden, bevor sie unbrauchbar wurden). Man muss wohl damit rechnen, dass bis zur Auflösung der Firma Artaria im Jahre 1801 weit über 500 Exemplare der drei Konzerte verkauft wurden – dabei sind die Pariser, Amsterdamer und Londoner Kommissionsverlagsübernahmen noch nicht berücksichtigt. Mozarts ganz auf das Publikum ausgerichtete Überlegungen bei der Konzeption der Werke hatten also spät, aber doch kommerziellen Erfolg gezeitigt.

Dazu trug sicherlich auch die Tatsache bei, dass der Komponist – wie der Zeitungsanzeige zu entnehmen – einen flexiblen Begleitkörper im Sinn hatte: Die Bläser können weggelassen werden – sie sind in allen drei Konzerten zwar willkommene und für den Idealklang gewiss unverzichtbare, letztlich aber doch additive Harmoniestimmen.
Das Klavierkonzert A-Dur K 385p wurde als erstes der drei Werke vermutlich im Herbst 1782 fertiggestellt; über die Erstaufführung ist nichts bekannt, doch kommt dafür die am 3. November von seiner Schülerin Josepha Auernhammer veranstaltete Akademie, an der Mozart nachweislich mitwirkte, in Frage. Die beiden Außensätze sind von intimem Charakter – an diesem Eindruck ändern etwa auch das bravouröse
 Passagenwerk anstelle einer eigentlichen Durchführung im ersten Satz und das besonders unbeschwerte Rondo-Finale, das jede Molltrübung vermeidet, nur wenig. Als Haupt thema im Andante verwendete Mozart eine Melodie, die er einer Opernouverture seines geliebten Freundes Johann Christian Bach entnommen hatte.

Dem Titel der betreffenden Oper, »La calamità dei cuori« (›Die Trübsal der Herzen‹), kommt eine besondere Bedeutung zu, da der „Londoner“ Bach im Entstehungsjahr des Klavierkonzerts verstorben war. „Schade für die musikalische Welt“, schrieb Mozart daraufhin, und hat dem Freund in diesem Andante durch das Zitat, das er allerdings harmonisch vertiefte und bereicherte, einen letzten Tribut gezollt. 

Quelle: Wiener Konzerthaus / Christian Lackner


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