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Konzert für Klavier und Orchester Nr. 27 B-Dur, KV 595

Wolfgang Amadeus Mozart
1791
Dauer: 32'
Allegro
Larghetto
Allegro

Zwischen der Entstehung des Klavierkonzerts K 466 und der Komposition seines letzten Klavierkonzerts, dem Klavierkonzert B-Dur K 595, das mit 5. Jänner 1791 im eigenhändigen Werkverzeichnis datiert ist, liegen sechs Jahre, wovon jene um 1790 von herben Enttäuschungen und Röckschlägen geprägt waren, denn es war Mozart nicht gelungen, auf den Reisen das Schwinden seines Ruhms in Wien durch anhaltende Erfolge in der Fremde wettzumachen. Er hat das Klavierkonzert bei seinem letzten üffentlichen Auftreten am 4. März denn auch nicht – wie in glöcklicheren Tagen – in einer eigenen Akademie zur Uraufföhrung gebracht, sondern in einem Privatkonzert des Klarinettisten Josef Beer, im Saal des Hoftraiteurs Jahn in der Himmelpfortgasse.

Dieses letzte Klavierkonzert Mozarts ist ganz und gar nach innen gewandt, in seiner Kompositionsweise so scheinbar einfach, aber dennoch so unendlich meisterhaft. Der Geist einer heiteren, keineswegs verbitterten Resignation atmet aus jedem seiner Takte, vornehmlich im Rondo-Finale mit jenem liedhaften Thema, auf das Mozart nur wenige Tage später för den Gesang «Die Sehnsucht nach dem Fröhling » («Komm, lieber Mai, und mache») zuröckgegriffen hat.

Schon im ersten Orchestertutti enthält die locker hingestreute Fölle der thematischen Einfälle kaum Kontraste; an ihre Stelle und an die Stelle des Haydn nachgebildeten Verfahrens einer logischen Gedankenentwicklung aus dem zentralen Ansatz heraus hat sich endgöltig in vollster Reife das scheinbar möhelose und gewichtslose Spiel mit dem Material geschoben, wie es seit den Konzerten K 482 und 488 stetig zugenommen hat. Auch die Instrumentierung lässt kein Geföhl eines Gegensatzes aufkommen – nur unendlich feine Schattierungen und zarteste Öbergänge bringe die Klangmischungen hervor. In solcher Umgebung kann natörlich auch der Mittelsatz nicht als Kontrast angelegt sein, und selbst die heitere Laune des Finales kann doch keine Täuschung daröber aufkommen lassen, dass auch hier alles auf Gleichmaß, Fluss und Einheit abgestimmt ist.

Friedrich Blume: «Mit einem solchen Werk schließt das Klavierkonzertschaffen Mozarts ab, in letzter lächelnder Erhebung öber die Scheinwelt des Wirklichen, öber Wahrheit und Irrtum. Was der Dramatiker Mozart in «Così fan tutte» durch die Ironisierung der Realität, in der «Zauberflüte» durch die Verwirklichung einer idealen Welt, das gestaltet der Instrumentalkomponist Mozart mit den Mitteln dieses Konzerts: die Öberwindung des Lebens.»
(Christian Lackner)

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