Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 c-moll, op. 37

Ludwig van Beethoven
Dauer: 39'
Allegro con brio
Largo
Allegro

Dialektische Spannkraft – L.v.Beethovens 3. Klavierkonzert


«... 3. ein Konzert fürs Klavier, welches ich zwar für keins von meinen besten ausgebe, sowie ein anderes, was hier bei Mollo herauskommen wird (...), weil ich die besseren noch für mich behalte, bis ich selbst eine Reise mache, doch dürfte es Ihnen keine Schande machen, es zu stechen...» Mit diesem «besseren» Konzert, das sich Beethoven laut dieser Mitteilung an den Verleger Anton Hoffmeister vom Dezember 1800 für eine allfällige Konzertreise aufsparen wollte, dürfte jenes in c-Moll gemeint sein, sein drittes und jedenfalls gewiss bisher innovativstes Klavierkonzert. Es hebt die Gattung endgültig aus der Sphäre der gefälligen Gesellschaftsmusik heraus und führt sie in jene sinfonischen Bereiche, die Beethoven mit der C-Dur-Sinfonie soeben zu erkunden begonnen hat. Das Soloinstrument tritt jetzt als kraftvoller Gegenpart zum Orchester auf, und die dialektische Spannkraft zwischen den Beteiligten schlägt sich auch in der musikalischen Erfindung nieder, die die Kontraste sucht. Der Kopfsatz entfaltet sich im Gegensatz zwischen dem markanten Haupt- und dem gesanglichen Nebenthema. Das Largo steht nicht nur in der von c-Moll weit entfernten Tonart E-Dur, sondern bildet mit seiner entrückten Atmosphäre eine Antithese zu den dramatischen Aussensätzen. Das Finalrondo schliesslich nimmt den draufgängerischen Tonfall des Anfangs wieder auf, umfasst aber mit einem E-Dur-Einsatz des Klaviers auch eine Anspielung auf den Mittelsatz. Die Verbindung zwischen E-Dur und dem c-Moll des Finales wird zudem hergestellt durch das Kopfmotiv des Finalthemas, das dominantisch mit g-as-h beginnt und dabei den Ton as betont, welcher als gis die Terz des E-Dur-Dreiklangs abgibt.

Man schreibt dem Konzert gern dämonische, ja aggressive Züge zu, die Tonart c-Moll lenkt die Assoziationen dabei auf Werke wie die «Pathétique»-Klaviersonate oder die fünfte Sinfonie, der Anfang des «heroischen Stils» scheint eingeläutet. Indessen sollte man wohl diese Musik nicht allzu eng mit programmatischem Gehalt oder gar revolutionärem Pathos in Verbindung bringen. Auch findet der Tonfall des Werks etwa in Mozarts späten Moll-Klavierkonzerten schon Vorbilder, und das musikalische Potenzial des Kontrastes hat Beethoven bereits bei seinem Lehrer Haydn (man denke etwa an den 2. Satz von dessen 96. Sinfonie) in durchaus unpathetischem Kontext kennen lernen können. Zudem finden sich nicht nur im Kopfsatz mit seinen erwartungsvollen Generalpausen, sondern erst recht im Finalrondo auch etliche Momente vom trotzigen Humor Beethovens. Dieser selbst soll jedenfalls bei der Uraufführung gut gelaunt gewesen sein und amüsiert auf die Nöte Ignaz von Seyfrieds reagiert haben, der eigentlich die Seiten wenden sollte und entsetzt feststellen musste, dass Beethoven den Solopart praktisch improvisierte: «Ich erblickte fast lauter leere Blätter, höchstens auf einer oder der anderen Seite ein paar mir recht unverständliche ägyptische Hieroglyphen hingekritzelt.» Eine Uraufführung also, die in der Tat ein Produkt frischester Erfindung war.

Man schreibt dem Konzert gern dämonische, ja aggressive Züge zu, die Tonart c-Moll lenkt die Assoziationen dabei auf Werke wie die «Pathétique»-Klaviersonate oder die fünfte Sinfonie, der Anfang des «heroischen Stils» scheint eingeläutet. Indessen sollte man wohl diese Musik nicht allzu eng mit programmatischem Gehalt oder gar revolutionärem Pathos in Verbindung bringen. Auch findet der Tonfall des Werks etwa in Mozarts späten Moll-Klavierkonzerten schon Vorbilder, und das musikalische Potenzial des Kontrastes hat Beethoven bereits bei seinem Lehrer Haydn (man denke etwa an den 2. Satz von dessen 96. Sinfonie) in durchaus unpathetischem Kontext kennen lernen können. Zudem finden sich nicht nur im Kopfsatz mit seinen erwartungsvollen Generalpausen, sondern erst recht im Finalrondo auch etliche Momente vom trotzigen Humor Beethovens. Dieser selbst soll jedenfalls bei der Uraufführung gut gelaunt gewesen sein und amüsiert auf die Nöte Ignaz von Seyfrieds reagiert haben, der eigentlich die Seiten wenden sollte und entsetzt feststellen musste, dass Beethoven den Solopart praktisch improvisierte: «Ich erblickte fast lauter leere Blätter, höchstens auf einer oder der anderen Seite ein paar mir recht unverständliche ägyptische Hieroglyphen hingekritzelt.» Eine Uraufführung also, die in der Tat ein Produkt frischester Erfindung war.

©Michael Eidenbenz

 

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