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Antonín Dvořák

1841 - 1904

«Unter den Stipendiengesuchen, die alljährlich partiturenbeschwert beim Ministerium einlaufen, pflegen die meisten von Komponisten herzurühren, welche von den drei gesetzlichen Erfordernissen – Jugend, Mittellosigkeit und Talent – nur die beiden ersten besitzen und auf das dritte verzichten. Da war es uns dann eine gar angenehme Überraschung, als eines Tages ein Prager Bittsteller, Antonín Dvořák, Proben eines intensiven, wenngleich noch unausgegorenen Kompositionstalents einsendete.» Diese Beurteilung Eduard Hanslicks, der zusammen mit Johann Ritter von Herbeck und Johannes Brahms in der 1863 eingerichteten Zuteilungskommission für Stipendien an tschechischen Künstlernachwuchs des Wiener Kultusministeriums saß, galt der 1873 komponierten Es-Dur-Symphonie Dvořáks. Im selben Jahr, das Dvořák den langersehnten Durchbruch als Komponist mit seiner Kantate «Hymnus» verschafft hatte, entstanden, reichte er die Symphonie 1875 zur Beurteilung ein und erhielt den mit 400 Gulden dotierten Preis; das höchste Honorar, das Dvořák bis dahin zuerteilt worden war.

Nachdem seine Existenz notdürftig gesichert war, blühte Dvořáks Produktivität üppiger denn je. Die Mitte der 1870er Jahre war gekennzeichnet durch ein Suchen und Finden zu sich selbst. Nach einer Phase, in der ihm einzig Wagner als Vorbild galt, kehrte er nun zu den klassischen Modellen Beethovens, Schuberts und Schumanns zurück, was für ihn nicht so sehr Regression als vielmehr Einkehr bedeutete. Zweifellos hat dabei das Vorbild Smetanas mitgewirkt, dessen eher mozartische komische Oper «Zwei Witwen», 1874 uraufgeführt, Dvořák wohl davon überzeugte, dass charakteristische tschechische Musik weder durch Imitation des Wagnerschen Musikdramas noch durch Potpourris von tschechischen Volksliedern zu gewinnen war, sondern einzig und allein durch schöpferisch Neues. 

Stücke

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