"Berenice que fai"
Hob XXIVa:10Scena di Berenice
Komponiert: 1795
Haydns „Berenice, che fai“ ist eine hochdramatische Konzertszene nach einem Text von Pietro Metastasio, entnommen aus dem Libretto zu Antigono. Im Zentrum steht Berenice, die im Moment äußerster Erschütterung zwischen Angst, Aufbegehren und Verzweiflung schwankt. Haydn gestaltet diese Situation nicht als geschlossene Arie, sondern als szenischen Ablauf, der wie ein Opernausschnitt ohne Bühne wirkt.
Der Beginn ist von freiem, sprachnahem Rezitativ geprägt, das immer wieder in kurze Arioso Passagen übergeht. Der musikalische Fluss reagiert unmittelbar auf die Worte, mit abrupten Wendungen, scharfem Affektwechsel und einer Orchesterbegleitung, die das psychologische Geschehen mitträgt, nicht nur kommentiert.
Im zweiten Teil verdichtet sich die Szene zu einer großen Arie, in der Berenices emotionale Lage in konzentrierter Form aufscheint. Die Stimme verlangt hier gleichermaßen Beweglichkeit, Ausdrucksschärfe und langen Atem, das Orchester arbeitet mit klaren Kontrasten und steigert die Spannung bis zum Schluss. So entsteht ein Werk, das Opernintensität und konzertante Präzision verbindet.